Rente oder Kapital

So treffen Sie die richtige Entscheidung.

Vorsorgekapital auszahlen lassen oder als Rente beziehen?

Über die Jahre hinweg spart man eine beachtliche Summe in der Pensionskasse an. Dieses Alterskapital kann auf drei verschiedene Arten bezogen werden: als monatliche Rente ein Leben lang, als einmaliger Kapitalbezug oder durch eine Kombination aus beidem. Für diese wichtige Entscheidung sollte man sich genügend Zeit nehmen, denn man kann diese nicht mehr rückgängig machen. Welche Variante einem am besten zusagt, hängt voll und ganz von der individuellen Situation und den persönlichen Bedürfnissen ab.

Die wichtigsten Unterschiede

Thema Rentenbezug Kapitalbezug
Sicherheit Regelmässige monatliche Leistungen bis ans Lebensende. Individuell nach Anlagestrategie.
Höhe des Einkommens Abhängig vom Umwandlungssatz der Pensionskasse. Individuell nach Anlagestrategie.
Steuern Rente muss als Einkommen versteuert werden. Kapital wird einmalig bei Bezug zu einem reduzierten Steuersatz und getrennt vom restlichen Einkommen besteuert.* Danach unterliegt das Kapital der Vermögenssteuer sowie die Kapitalerträge zum Teil der Einkommenssteuer.
Regelung hinterbliebener Ehepartner Witwen- bzw. Witwerrente von 60% der Rente des verstorbenen Ehepartners.** Das noch vorhandene Kapital geht an die Erben weiter.
Regelung anderer Hinterbliebenen Bei einigen Pensionskassen werden Konkubinats Partner den Verheirateten gleichgestellt. Begünstigung gemäss Erbrecht.
Teuerungsausgleich Je nach Pensionskasse verschieden. Je nach Anlagestrategie durch höhere Zins- und Kapitalerträge.
  • * Steuersatz variiert je nach Kanton
  • ** Dies entspricht der gesetzlichen Regelung, kann je nach Pensionskasse abweichen

Die Rente

Zur Berechnung der Rente spielt der Umwandlungssatz eine zentrale Rolle. Dieser wird mit dem angesparten Pensionskassenguthaben multipliziert. Beispielsweise wird ein Pensionskassenguthaben von CHF 100'000.- derzeit mit 6.80% umgewandelt. Dies bedeutet für den Rentenbezüger, dass er im Jahr CHF 6'800.- ausbezahlt bekommt. Der Umwandlungssatz für den obligatorischen Teil wird im Pensionskassengesetz geregelt. Im September 2017 wurde über das Reformpaket «Altersvorsorge 2020» über eine Senkung dieses Umwandlungssatzes von 6.80% auf 6.00% abgestimmt. Die Vorlage wurde sehr knapp verworfen. Trotz der abgelehnten Reform dürfte dieses Thema nicht vom Tisch sein und künftig in Form von neuen Paketen über eine Reduktion des Umwandlungssatzes abgestimmt werden. Warum das? Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich und die Pensionskassen sind unter Druck die Langlebigkeitsrisiken tragen zu müssen.

Anders ist es beim überobligatorischen Guthaben. Dieser Umwandlungssatz ist in keinem Gesetz verankert. Somit können Pensionskassen den Zinssatz selber festlegen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass etliche Pensionskassen bereits davon Gebrauch machten und den Zinssatz in den letzten Jahren gesenkt haben und dies auch weiter tun werden.

Vor- und Nachteile des Rentenbezugs

Bei dem Entscheid den Rentenbezug zu wählen gibt es einen wesentlichen Vorteil. Er bietet Sicherheit. Bis ans Lebensende erhält man eine konstant gleichbleibende und garantierte Auszahlung und man braucht sich um nichts mehr zu kümmern. Dies ist vor allem für Personen, welche eine hohe Planungssicherheit in der Budgeterstellung schätzen und verfolgen müssen, ein Vorteil.

Ein wesentlicher Nachteil der Rente sind die Leistungen für die Hinterbliebenen. Der überlebende Ehepartner erhält meist nur ca. 60% der Pensionskassenrente des Verstorbenen. Durch diese Kürzung muss sich der überlebende Partner oft finanziell einschränken. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass nach dem Ableben der rentenberechtigten Person, das restliche Pensionskassenguthaben an die Pensionskasse geht.

Bei einer sauberen Planung darf auch die Teuerung nicht vernachlässigt werden. Natürlich war diese in den letzten Jahren zu vernachlässigen. Dies kann sich aber in Zukunft wieder ändern. Bei einer jährlichen Inflation von 1% sinkt die Kaufkraft bei einer Rente von CHF 50'000.- nach zehn Jahren auf CHF 45'000.-, nach 20 Jahren auf CHF 40'000.- und nach 30 Jahren sogar auf CHF 37'000.-. Rentenbezüger können sich also über die Jahre hinweg immer weniger leisten.

Der Kapitalbezug

Bei einem Kapitalbezug erhält man das angesparte Alterskapital ausbezahlt. Der grosse Vorteil dabei: Man behält die Flexibilität und kann den Verbrauch dem aktuellen Einkommensbedarf anpassen. Bei der Auszahlung nimmt man jedoch auch die Verantwortung für die Finanzierung des 3. Lebensabschnittes selbst in die Hand. Damit auch langfristig Erträge für eine «Rente» erwirtschaftet werden können, empfiehlt es sich, den grössten Teil des ausbezahlten Kapitals in Wertschriften anzulegen. Der Vorteil dabei: Man wählt die Anlagestrategie nach seinen persönlichen Bedürfnissen und Lebenslagen. Diese kann jederzeit individuell angepasst und verändert werden. Das untenstehende illustrative Rechenbeispiel vergleicht die Rentenauszahlung mit der Erwirtschaftung einer «Rente» durch den Kapitalbezug:

Kapitalbezug

Renditen p.a.
Posten 2% 4% 6%
Einkommen pro Jahr CHF 27'521 CHF 33'112 CHF 39'233
Pensionskassenkapital 500'000 500'000 500'000
Kapitalsteuersatz: 10% 50'000 50'000 50'000
Kapital nach Steuern 450'000 450'000 450'000

Rentenbezug

Umwandlungssatz p.a.
Posten 5.00% 6.00% 6.80%
Einkommen pro Jahr CHF 18'750 CHF 22'500 CHF 25'500
Rentenbezug 500'000 500'000 500'000
PK Rente pro Jahr 25'000 30'000 34'000
Steuern bei Grenzsteuersatz: 25% 6'250 7'500 8'500

Bei dieser Gegenüberstellung wird veranschaulicht, dass es sich durchaus lohnen kann das Kapital zu beziehen und selbst anzulegen. Auch wer auf die Steuern achten möchte, ist mit einem Kapitalbezug in der Regel besser bedient. Die Auszahlungssumme wird einmalig und ausgesondert vom restlichen Einkommen zu einem reduzierten Satz besteuert. In den Folgejahren fällt das Kapital unter die Vermögenssteuer sowie die erwirtschafteten Erträge je nach Anlageklasse unter die Einkommenssteuer. Hingegen werden die Pensionskassenrenten dem steuerbaren Einkommen angerechnet.

Rente und Kapital kombinieren

Es gibt keine Grundregel zu entscheiden ob eine Rente oder ein Kapitalbezug besser ist. Jede Person muss aufgrund der eigenen finanziellen Ausgangslage und deren Bedürfnisse selber entscheiden was sinnvoll ist. Oftmals ist auch eine Mischform eine gute Lösung. Sind beide Ehepartner pensionskassenversichert, ist es besonders empfehlenswert, die Leistungen jedes einzelnen miteinander zu verglichen. So kann man jeweils die Vorzüge der einzelnen Varianten kombinieren und die Risiken verteilen.